Weil wir es ehrlich mögen…

…hatten wir besonders viel Spass an unserem Besuch auf dem Juckerhof und dem Gespräch mit Martin Jucker. Barfuss und in kurzen Hosen schreitet er über den Hof, dem Zuhause der Familie seit über vier Generationen. Es ist deutlich spürbar, dass er jeden Zentimeter liebt. Und das nicht erst, als er mit leuchtenden Augen erzählt, dass hier in erster Linie mit Herz gearbeitet wird und Maschinen lediglich der Unterstützung dienen. Im Interview mit Martin dürfen wir erfahren, wie es ist, wenn die Natur den Takt vorgibt.

Ihr geht bei Euch auf den Höfen nach dem Selbstversorgungsprinzip vor, was bedeutet das?

Bei uns wird soweit wie möglich alles selbst angepflanzt und produziert, das sorgt für emotionale und wirtschaftliche Unabhängigkeit. Ein Generationenprojekt, denn Arbeiten in und mit der Natur sind immer langfristig. Rund 70 verschiedene Kulturen wachsen inzwischen auf den Höfen, darunter Äpfel, Beeren, Spargel, Kirschen und Kürbisse. Wir sind spezialisiert auf vielerlei Rohstoffe und das macht uns unter den Landwirten ziemlich einzigartig. Die Ernte wird in der Hofküche, Manufaktur und in der Hofbäckerei verarbeitet nach selbst entwickelten Rezepturen.

Entwickelst Du die Rezepte selbst?

Nein, ich bin für das Blühen und Gedeihen zuständig. Die Verarbeitung übernimmt unser Produktentwickler, Beni Murer. Er stammt ursprünglich aus der Gastronomie, hat sich aber für die Stelle extra zum Landwirt weiterbilden lassen. Sein Wissen über die natürlichen Abläufe und Möglichkeiten der Rohstoffe bildet die elementare Grundlage für die perfekte Verarbeitung.

Mittlerweile sind es drei Höfe, die zu einem Ganzen verschmelzen. Wie ist das aufgebaut?

Die Küche und Bäckerei befindet sich, zusammen mit Hofladen und Restaurant, in Seegräben. Die Manufaktur in Jona und die Rüsterei praktisch gelegen beim Spargelhof in Rafz. Jeder Hof hat seine eigene Kernkompetenz, die Rüstereien und Produktionsstätten sind dann entsprechend dort angegliedert, wo sie am sinnvollsten sind. Das sorgt auch für kurze Transportwege und eine saubere Ökobilanz.

Das Schonen von natürlichen Ressourcen und allgemein eine umweltfreundliche Produktion sind Dir also wichtig?

Elementar sogar. Schliesslich ist die Natur unser wichtigstes Gut, die das Tempo bestimmt, sei es bei der Expansion oder bei der Herstellung neuer Produkte. Würden wir das nicht tun, würden wir unsere eigene Produktionsgrundlage zerstören, das Fundament unseres Seins. Deshalb ist es uns eine Herzensangelegenheit, dass die Natur in Takt bleibt und wir dafür alles in unserer Macht Stehende tun. Ernteüberschuss wird eingefroren und im Winter für Müsli etc. verwendet. Dabei wird Solarenergie fürs Einfrieren verwendet und ein Kühlhaus, das mit seiner eigenen Abluft funktioniert. So bleibt die Ökobilanz sauber.

Ihr bietet neben vielen kulinarischen Highlights auch Events an. Wie kommt das?

Die Gastronomie und die Events sind der perfekte Weg, unsere Produkte näher zum Kunden bringen. Man könnte sagen, dass sie der Rahmen sind, unsere Produkte richtig zu präsentieren.

Du bist auf den Obstbau spezialisiert, war das schon immer Dein Wunsch?

Immer, bereits in der Sekundarschule. Für mich stand ausser Frage, die Familientradition weiterzuführen. Es war immer mein Traum, den Hof zu übernehmen und ihn weiterzuentwickeln.

Wie viel hat sich innerhalb des Generationenwechsels geändert?

An dem Elementaren, der Landwirtschaft, hat sich nichts geändert. Wir arbeiten immer noch nahe an der Natur. Mittlerweile macht der Obstbau aber nur noch etwa 20% aus. Wir haben uns in vielerlei Hinsicht modernisiert. So gehen Gastronomie, Events und der Hofladen natürlich auch mit den sozialen Medien mit. In der Landwirtschaft haben wir aber das Rad eher zurückgedreht zum Ursprung. Unsere Grossmutter hätte nie einen Apfel weggeworfen. Die schönen kamen in den Hofladen und die etwas weniger vorzeigbaren wurden dann eben zu Apfelmus verarbeitet. Genau dieses System, dass sich in der modernen Zeit «No Foodwaste» nennt, setzten wir mit zahlreichen Verkaufsartikeln und dem Hofrestaurant um.

Arbeitet die ganze Familie auf den Höfen mit?

Auch hier wird es wie früher gehalten, jeder packt da an, wo er gerade gebraucht wird. Auch die Kinder helfen schon mit viel Begeisterung mit. Jeder fügt sich ins grosse Ganze mit ein. Auch beim gegenseitigen auf die Kinder aufpassen.

Was macht das Hofleben für Dich zu etwas Besonderem?

Ich lebe mit der Natur. Somit ist kein Tag gleich wie der andere, Routine wäre für mich tödlich. Das einzig Beständige ist natürlich, dass mein Tag mit meiner Familie und meinen Kindern beginnt. Danach lasse ich es einfach auf mich zukommen, zu tun gibt es immer mehr als genug. Ausserdem herrscht auf Höfen immer eine einzigartige Dynamik, anders als in Firmen sind hier ja auch viele Familienmitglieder involviert und langjährige Mitarbeiter, die zu Familie werden. Das ist ein ganz anderer Umgang als bei einem anonymen Angestellten. Probleme werden zusammen diskutiert und Lösungen gemeinsam erarbeitet. Man hört genauer zu und geht respektvoll miteinander um, ohne distanziert und kühl zu sein. Das gibt den Mitarbeitenden auch eine Vertrauensgrundlage, die es ermöglicht, bei Problemen ganz anders und viel spontaner und freier zu reagieren. So werden Entscheidungen mit dem Herz getroffen, nicht mit dem Verstand. Dabei entstehen auch immer wieder spannende Ideen für Neues, zum Beispiel auch unser neuestes Projekt, die Hofakademie. In der modernen Arbeitswelt versucht man nämlich immer mehr, genau dieses System zu verfolgen: Den Mitarbeitenden mehr Freiheit und Eigenverantwortung zu übertragen, um ihr Potential voll ausschöpfen zu können. Innerhalb des Projektes versuchen wir, unsere natürliche Struktur in Schulungen und Workshops weiterzugeben. Das ist wahnsinnig spannend.

Das waren super Einblicke. Vielen Dank, Martin!


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Posted by Natascha

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