Weil wir mehr über Gelben Enzian wissen wollten…

…haben wir Hans Georg Hildebrandt gefragt, den Profi in Sachen Tonic Water. Mit Gents stellt er seit 2012 einzigartige Produkte mit ganz besonderen Wurzeln her. Begonnen hat alles mit dem Wunsch von Gründer Hans Georg nach mehr Qualität und der Suche nach den Schweizer Wurzeln. Lest die ganze Geschichte:

Das Logo von Gents hat Deine Frau für Dich gemacht. Ein Luftschiff, was hat es damit auf sich?

Die Entstehung von Tonic Water reicht zurück bis in die Kolonialzeit. Chinin war damals für die Soldaten sehr wichtig, half es doch gegen die weitverbreitete Malaria. Die reine Tinktur war allerdings viel zu bitter und wurde deshalb verdünnt. Da der Alkohol zu dieser Zeit die einzige Freude der Kämpfer war und als Medizin gegen Heimweh und Alpträume diente, lag die Verbindung des Nützlichen mit dem Vergnüglichen nahe. Gin und das mit Wasser verdünnte Chinin wurden also gemischt und der erste Gin and Tonic war geboren. Deshalb ist das Getränk für mich bis heute etwas sehr Männliches, was sich auch in unserem Namen „Gents“ etwas wiederfinden soll. Das Luftschiff gehört nicht nur zur Kolonialzeit, sondern soll auch die Stärke und Freiheit symbolisieren, als Gegenstück zur «Nautilus» von Kapitän Nemo fand ich es eine schöne Spielerei.

Alle Rezepte für Deine Produkte entwickelst Du selbst. Wie gehst Du dabei vor?

Ich bin leidenschaftlicher Koch, und die Entwicklung von Getränken funktioniert im Prinzip genauso. Man wählt die Zutaten und versucht dann daraus die beste Kombination zu zaubern. Dazu gehört natürlich auch einiges an Zeit und Geduld für Experimente. Beim Gents Tonic probierte ich damals die Kombination mit dem Enzianextrakt aus und fand diese sehr spannend, da es eine leichte Lakritznote einbringt, die man auch in einem Bombay Sapphire-Gin wiederfindet. Und darum ging es mir: Ein Tonic Water zu erschaffen, welches die Komplexität und Vielseitigkeit der verschiedenen Gins aufnimmt und widerspiegelt. Dank dieser feinen Note stützt das Gents moderne Gins sehr gut und macht den Longdrink noch komplexer. Es sollte auch ein alpines Tonic werden, das mit traditionellem Schweizer Handwerk hergestellt wird.

Ein Schritt war die Entwicklung des Produktes und ein weiterer dann die Markteinführung. Wie hast Du das gemacht?

Ich kannte dank meiner Tätigkeit als Journalist einige Gastronomen in Zürich, bei denen ich mein Tonic vorstellen konnte und die mir die ersten Flaschen abkauften. Zu Beginn zugegeben auch oft als Gefälligkeit, aber das Produkt sprach für sich und überzeugte.

Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit, wie kam es dazu?

Als eingesessener Zürcher kenne und liebe ich das IRO natürlich seit Jahren. Es war für mich und meine Freunde immer der Treffpunkt schlechthin. Dass ich heute mein Tonic bei euch anbieten kann, bedeutet mir deshalb besonders viel. Auch dass hier im Konzept sehr auf Regionalität und Schweizer Produzenten gesetzt wird, weiss ich zu schätzen. Ich bin selbst zudem regelmässiger Gast in den Betrieben und schätze die offene Atmosphäre sehr.

Wie kommt man dazu, einfach mal sein eigenes Tonic zu kreieren?

Als damals der Monkey 47 Gin aufkam, gab es einen riesigen Hype, der mich sehr faszinierte. Auch ich war bekennender Gin-Liebhaber, hatte aber damit zu kämpfen, dass es meiner Meinung nach kein Tonic gab, das die Komplexität und Vielfalt der Spirituose richtig aufgriff. Zu Beginn folgte ich einfach einer Leidenschaft, die ich, neben meinem eigentlichen Beruf als Redaktionsleiter der Sonntagszeitung, pflegte. Meine Frau machte mir dann eine professionelle Etikette mit Logo und plötzlich war das Ganze da und ziemlich professionell.

Klingt, als hätte sich alles einfach so ergeben?

Nun ja, ein Stück weit schon. Allerdings steckt hinter dem Erfolg auch sehr viel Arbeit. Mit den allerersten zwei Tanks bin ich damals noch selbst zur Abfüllung gefahren. Ich erinnere mich noch gut, wie schief das gelaufen ist. Die Hälfte der Etiketten war schlecht geklebt und ich konnte sie gar nicht verkaufen. Da war bestimmt auch eine Portion Naivität dabei, für die ich heute sehr dankbar bin, weil ich vielleicht sonst nie den Mut gehabt hätte, das Projekt zu wagen.

Dem Tonic folgten ja bis heute noch einige Produkte, wie kommst Du zu den neuen Ideen?

Auch hier folge ich meinem Bauchgefühl und den Bedürfnissen der Konsumenten und von mir selbst.  Ginger Ale war mir einfach zu süss. Ich liebe den Geschmack von natürlichem Ingwer mit der leichten Schärfe und dachte mir, dass das doch auch in einem Getränk möglich sein müsste. Auch hier startete ich wieder mit der Suche nach hochwertigen Rohstoffen. Diesmal führte mich die Reise aber ins Ausland. In Afrika unterstützen wir seit Jahren ein soziales Projekt einer Bio-Kollektive, wo unter anderem auch frischer Ingwer angepflanzt wird. Auch hier experimentierte ich dann erstmal in meiner eigenen Küche, kombinierte wie beim Kochen nach Gefühl, was ich gerade passend fand und das Produkt noch wertiger und spannender macht. Im Bitter Lemon findet sich zum Beispiel das Kraut Mädesüss, dass auch im Hendrick’s Gin enthalten ist. Die leichte Marzipannote finde ich sehr spannend.

Tonic und Bitter Lemon leben von der Bitterkeit. War es schwierig, die Balance und die richtige Intensität zu finden?

Natürlich bestand darin die grösste Herausforderung. Bitterstoffe werden ja nicht primär auf der Zunge wahrgenommen, sondern von den Gesichtsnerven. Es handelt sich also genaugenommen nicht um ein Geschmacksempfinden, sondern um eine Reaktion des Körpers. Dabei wird der gesamte Kreislauf angeregt. Die Appenzeller Enzianforscher sind sich übrigens sicher, dass der im Enzian enthaltene Bitterstoff erst ab Dreissig wirklich geschätzt wird, da sich ab diesem Alter das Immunsystem langsam abbaut und durch natürliche Ernährung unterstützt werden muss, was am besten durch bittere Aromen geschieht.

Gibt es neue Projekte, an denen Du gerade arbeitest?

Gerade arbeite ich an der Einführung des neuesten Tonics Extra dry, das mit sehr wenig Zucker auskommt. Dafür habe ich mit Tamarinde gearbeitet, die eine natürliche Süsse mit sich bringt, dazu eine spannende Kombination aus Lorbeere und Schlehe, die das Getränk sehr ausgewogen machen. Der Trend zum zuckerarmen Leben kommt ja bereits seit einigen Jahren immer mehr auf. Ich denke, da kommt ein solches Getränk sehr gelegen.

Vom aktuellsten Produkt zum allerersten: Wie hat sich der Verkauf der ersten Flaschen Gents Tonic damals angefühlt?

Ein wahnsinniges Gefühl, wenn all deine Mühe sich plötzlich als fertiges Produkt präsentiert. Damals brachte ich die erste Lieferung in einer Kartonschachtel zum Kunden, auf dem ich noch mit Klebeband selbst eine Etikette befestigte. Ich hatte keine Ahnung, ob das Tonic auch bei den Konsumenten ankommen würde, ein aufregendes Gefühl.

Thema Nachhaltigkeit: Liegt sie Dir am Herzen?

Natürlich, sehr. Dank der Verwendung von Schweizer Rohstoffen und der Produktion in der Schweiz profitiere ich von kurzen Produktionswegen und kann den CO2-Ausstoss geringhalten. Ausserdem verwende ich wo immer möglich nachwachsende Rohstoffe und unterstütze Schweizer Produzenten. Auch bei der Verpackung achte ich sehr darauf, und suche zurzeit auch hier nach einer noch nachhaltigeren Lösung. Die Präsentation der Verpackung ist übrigens an der von Wein orientiert, ich wollte das Tonic schon beim ersten Eindruck hochwertig erscheinen lassen.

Haben Wein und Tonic denn Gemeinsamkeiten?

Absolut! Ich bin leidenschaftlicher Weintrinker und wir Schweizer lieben es ja über Wein, Träubchen und Reben zu sprechen und philosophieren. Wein weist so viele komplexe Nuancen auf und jedes Produkt ist absolut einzigartig – genauso verhält es sich auch bei einem guten Gin and Tonic.

Danke für das interessante Gespräch, Hans Georg!


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Posted by Natascha

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