Weil wir viel über Tradition lernen konnten…

…hat uns das Gespräch mit Heinz sehr viel Spass gemacht. Wir möchten seine Sicht auf die Welt und die Geschichte des Tännlihofs gerne mit euch teilen. Hier ist das Interview mit Heinz zum Nachlesen:

Die tiefe Verbindung zur Familientradition und der Natur bewegten Heinz Höneisen dazu, den Tännlihof in Andelfingen (ZH) von seinem Vater zu übernehmen. Mit viel Liebe betreibt er hier biologische Landwirtschaft und wird dabei tatkräftig von seinem Sohn unterstützt.

Du hast das Land damals von Deinem Vater übernommen, ursprünglich lag der Hof ja mitten im Dorf, heute eher abseits. Ist das ein Vor- oder Nachteil?

Nun, beides – mit der Zeit haben sich die Bedürfnisse der Menschen verändert. Die Düfte eines Bauernhofes entsprachen nicht mehr den Normen und Wünschen der Anwohner. Mein Vater beschloss schliesslich, den Hof ausserhalb nochmals neu zu errichten. Das Land hier ist ideal und hat den grossen Vorteil, dass es ausgeweitet werden kann. Und der Tännliacker bietet auch noch weitere Vorteile. Dank der Unterspülung durch Grundwasser und früherer stetiger Überschwemmung besteht der Boden aus feinem Sand und es ist immer genügend Wasser aus natürlichen Quellen zur Bewässerung vorhanden. Dieser Umstand führt auch dazu, dass es auf dem Tännlihof immer einige Grad wärmer ist als im Dorf. Auch sonst ist es ziemlich beeindruckend. Unsere Nüsslisalatfelder sind 7’000 km2 gross, die sind zwar bedeckt, dürfen aber aufgrund der Biovorgaben nicht beheizt werden. Zum Glück ist Feldsalat sehr kälterobust und mag es ohnehin nicht gerne zu warm. Besonders beliebt ist er zu Weihnachten, dort liefern wir um die 25’000 Kilogramm an grosse Detailhändler wie die Migros.

Natürlich interessieren uns besonders die Felder, auf denen unsere Kartoffeln wachsen. Kannst Du uns etwas darüber erzählen?

Auch diese sind gigantisch gross. Im Winter sind die Felder noch vorübergehend mit Lauch bepflanzt, dem macht die Eiseskälte nämlich, ganz im Gegensatz zu den Kartoffeln, nichts aus. Kartoffelerntezeit ist von August bis Oktober, danach werden die Felder mit einem kälteresistenten Gemüse bepflanzt, damit sie nicht brach liegen. Bepflanzt werden die jeweiligen Abschnitte jedoch nur alle 3 Jahre. Dazwischen wird ihnen eine Pause gegönnt und sie werden zur rasenbewachsenen Grünfläche. Um diese möglichst umweltfreundlich zu bewirtschaften, benutzten wir Schafe, die auf dem Feld glücklich grasen können.

Aber Kartoffeln sind in der Schweiz ja das ganze Jahr über erhältlich, wie kommt das?

Sie werden gelagert, wobei sie es am liebsten kühl und dunkel mögen. Meist werden sie mit chemischen Mitteln am Keimen gehindert. Als Biobauer habe ich da natürlich eine bessere Lösung: Kümmelöl! Es wird über ein Lüftungssystem im Lagerraum verteilt und hindert die Kartoffeln am Keimen. So bleiben sie auch während der Lagerung hochwertig und in bester Bioqualität. Für JACK&JO haben wir auch extra einen neuen Lagerraum gebaut, immerhin handelt es sich um 15 Tonnen Kartoffeln, die überwintern müssen.

Du hast schon als Kind auf dem Familienhof geholfen, was hat sich seither verändert?

Damals wurde dort noch mit Ochsen gepflügt. Pünktlich um 09.00 Uhr gab es ein «Znüni» und um 16.00 Uhr den «Zvieri». Die festen Traditionen und das Handwerk haben bei mir eine so tiefgehende Bindung geschaffen, dass ich meinen ursprünglichen Traum, Pfarrer zu werden, über Bord schmiss und den Tännlihof 1995 übernahm.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für Dich?

Es ist ein zentraler Punkt und die ganze Landwirtschaft dreht sich doch eigentlich um nichts anderes. Wir leben und arbeiten mit der Natur, folgen ihrem Rhythmus, achten und lieben sie. Sie ist unser wertvollstes Gut. So haben wir auch einen tiefen Bezug zu unseren Produkten und Tieren. Gemüse, das für den Verkauf nicht «schön» genug ist, verwenden wir als hochwertiges Tierfutter. Die Schafe grasen zuweilen auf Ackern, die gerade «Schonpause» haben. Denn biologischer Anbau bedeutet auch, die Erde regelmässig zu schonen, damit sie sich regenerieren kann. Als ich vor sieben Jahren beschloss, den Hof auf Bio umzustellen, wurde ich erst nur belächelt: «Zuviel Arbeit für zu wenig Nutzen», hiess es damals noch. Heute ist Bio aus der Landwirtschaft nicht mehr wegzudenken, und ich habe die Umstellung keine Sekunde bereut. Auch wenn die zwei Jahre, bis wir effektiv Bio zertifiziert werden konnten, viel Energie und Aufwand bedeutet haben, bin ich sehr froh über die Entscheidung. Ich habe mich in dieser Zeit noch intensiver mit der Natur auseinandergesetzt und fühle mich jetzt sogar noch stärker mit ihr verbunden als je zuvor.

Danke für das interessante Gespräch, Heinz!


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Posted by Natascha

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